Auszeichnung
Kinderbürgermeister und Kinderkonferenz als herausragendes Beispiel für gute Beteiligung ausgezeichnet. Abteilung Kinder- und Jugendförderung nimmt Preis in Berlin entgegen
Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung e. V. Die Stadt Dorsten ist für ihr Engagement in der Kinder- und Jugendbeteiligung ausgezeichnet worden: Das Projekt „Kinder gestalten Dorsten – Kinderbürgermeister & Kinderkonferenz“ erhält die Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ 2026. Die Preisverleihung fand am Freitag (16. Oktober) im Studio von ALEX Offener Kanal Berlin statt. Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr erstmals in einer eigenen Kategorie für gelungene Kinder- und Jugendbeteiligung vergeben.
Für die Stadt Dorsten nahm Eden Fähnrich-Winkel, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendförderung im Amt für Familie und Jugend, die Auszeichnung persönlich in Berlin entgegen. Begleitet wurde sie von ihren Kollegen Tim Skowronek und Luca Sörries.
„Diese Auszeichnung ist eine wunderbare Anerkennung für die Arbeit, die unser Team seit Jahren leistet. Vor allem zeigt sie aber: Wenn wir Kindern echte Möglichkeiten geben, ihre Stadt mitzugestalten, haben sie etwas zu sagen – und sie haben viele gute Ideen“, sagt Eden Fähnrich-Winkel. „Unser Anspruch ist nicht, Kinder nur nach ihrer Meinung zu fragen. Wir wollen Beteiligung so gestalten, dass Kinder tatsächlich erleben, dass ihre Ideen gehört, geprüft und – wo immer möglich – umgesetzt werden.“
Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung e.V. vergibt die Auszeichnung „Gute Bürgerbeteiligung“ gemeinsam mit dem Berlin Institut für Partizipation seit 2023. Ausgezeichnet werden Kommunen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die beispielhafte und qualitativ hochwertige Beteiligungsprozesse umsetzen. Grundlage sind zehn Grundsätze guter Beteiligung, die unter anderem Dialog, Transparenz, Mitgestaltung, vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten und eine professionelle Prozessgestaltung in den Mittelpunkt stellen.
2026 wurde erstmals eine gesonderte Auszeichnung für Kinder- und Jugendbeteiligung vergeben. Die Jury überzeugte das Dorstener Konzept, weil es verschiedene Formen der Beteiligung miteinander verbindet: die repräsentative Beteiligung durch die Kinderbürgermeister, die offene Kinderkonferenz und digitale Möglichkeiten für alle Kinder, eigene Ideen einzubringen.
„Kinderbeteiligung ist für uns keine schöne Ergänzung, sondern ein wichtiger Bestandteil einer lebendigen Stadtgesellschaft“, sagt Bürgermeister Tobias Stockhoff. „Eden Fähnrich-Winkel und ihr Team haben in Dorsten Strukturen geschaffen, in denen Kinder nicht nur gefragt werden, sondern tatsächlich mitreden und ihre Stadt aus ihrer Perspektive mitgestalten können. Die Auszeichnung in Berlin zeigt eindrucksvoll, dass dieser Ansatz auch über Dorsten hinaus wahrgenommen wird.“
Das Projekt „Kinderbürgermeister“ wurde in Dorsten bereits 2020 gestartet. Auslöser war die Initiative zweier Kinder, die im Kommunalwahlkampf mehr Aufmerksamkeit für die Interessen von Kindern eingefordert hatten. Seitdem wählen wechselnde Dorstener Grundschulen jedes Jahr ein Mädchen und einen Jungen als Kinderbürgermeister. Sie vertreten für ein Jahr die Interessen der Grundschulkinder und bringen ihre Perspektiven in das Leben der Stadt ein.
Die Kinderbürgermeister treffen Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeiter und politische Vertreter, besuchen Veranstaltungen und bringen sich beispielsweise bei Spielplatzplanungen ein. Ein Kinderbriefkasten im Rathaus ermöglicht darüber hinaus allen Kindern, eigene Wünsche und Anliegen einzureichen. Jede Rückmeldung wird geprüft und beantwortet.
Seit 2025 ergänzt die Kinderkonferenz (KiKo) das Modell. Bei der ersten Kinderkonferenz entwickelten mehr als 50 Kinder aus den verschiedenen Stadtteilen gemeinsam Ideen für einen Kinderstadtplan. In altersgerechten Gruppen diskutierten sie, was ihnen in ihrem Stadtteil gefällt, wo sie Verbesserungsbedarf sehen und welche Orte für Kinder besonders wichtig sind. Ergänzend können Kinder auch online Vorschläge einbringen und Orte markieren, kommentieren und mit eigenen Ideen versehen.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Projekte. Kinder sollen erfahren, dass ihre Meinung in einer Stadtgesellschaft Bedeutung hat. Die Beteiligungsformate werden deshalb pädagogisch begleitet, sorgfältig vorbereitet und regelmäßig weiterentwickelt.
„Wir lernen selbst bei jedem Durchgang dazu“, sagt Eden Fähnrich-Winkel. „Was funktioniert gut? Wo müssen wir Abläufe verändern? Wie erreichen wir noch mehr Kinder? Diese Fragen stellen wir uns immer wieder. Gute Kinderbeteiligung bedeutet für uns deshalb auch, den Kindern zuzuhören und aus ihren Rückmeldungen zu lernen.“
Die Auszeichnung in Berlin ist für die Stadt Dorsten Anerkennung und Ansporn zugleich. Das Projekt soll weiterentwickelt und die Kinderkonferenz auch künftig zu wechselnden Themen angeboten werden. „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, weil sie nicht nur ein einzelnes Projekt würdigt, sondern unsere grundsätzliche Haltung: Kinder sind Experten für ihre eigene Lebenswelt“, sagt Bürgermeister Tobias Stockhoff. „Wenn wir ihnen zuhören, bekommen wir andere und oft überraschend gute Perspektiven auf unsere Stadt.“
Für Eden Fähnrich-Winkel und ihr Team geht die Arbeit unterdessen weiter. Denn mit der Auszeichnung ist die Kinderbeteiligung in Dorsten nicht abgeschlossen – im Gegenteil. Schon im November steht die nächste Kinderkonferenz an. Das Thema: Verkehrssicherheit in Dorsten.
„Der schönste Teil an unserer Arbeit ist, wenn Kinder merken: Ich kann etwas verändern“, sagt Fähnrich-Winkel. „Wenn aus einer Idee tatsächlich etwas wird, ist das für uns die größte Bestätigung. Die Auszeichnung in Berlin freut uns deshalb sehr – aber sie ist vor allem Motivation, genau diesen Weg weiterzugehen.“
Video von der Verleihung des Preises in Berlin: https://youtu.be/qlubGiOrUAo?t=4584
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