Abschied von Holger Lohse
Technischer Beigeordneter Holger Lohse nach mehr als drei Jahrzehnten bei der Stadt Dorsten in den Ruhestand verabschiedet und mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.
Nach mehr als drei Jahrzehnten im Dienst der Stadt Dorsten ist Holger Lohse am Mittwochabend (30. September 2026) in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Rat der Stadt Dorsten würdigte die besonderen Verdienste des Technischen Beigeordneten um die Stadt und die Stadtgesellschaft mit der Goldenen Ehrennadel. Die Auszeichnung, die Bürgermeister Tobias Stockhoff überreichte, war für Holger Lohse eine sichtbare Überraschung und ein besonders bewegender Moment des Abends.
Verabschiedet wurde Holger Lohse in der Galerie der Traumfänger auf dem ehemaligen Zechengelände Fürst Leopold – einem Ort, dessen Entwicklung er selbst maßgeblich mitgeprägt hat. Zahlreiche langjährige Weggefährten aus Politik, Verwaltung, Stadtgesellschaft und Planung waren gekommen. Darunter u.a. Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst, Friedhelm Fragemann, langjähriger Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses, Vertreter aus den Stadtteilkonferenzen, Architekturbüros, Kunstvereinen, des Kreises Recklinghausen und anderer Kommunen sowie Holger Lohses Nachfolger Thorsten Huxel, dessen Wahl zum neuen Technischen Beigeordneten der Rat der Stadt Dorsten kurz zuvor bestätigt hatte (siehe unten).
Bürgermeister Tobias Stockhoff blickte in seiner Laudatio auf die vielen Projekte zurück, mit denen Holger Lohse Dorsten über Jahrzehnte geprägt hat: die Entwicklung des Zechengeländes, den Stadtumbau Barkenberg, die Soziale Stadt Hervest, „Wir machen MITte“, die Dorferneuerung im Norden sowie Projekte wie Bürgerpark, Treffpunkt Altstadt, LEO und den Bürgerbahnhof samt Umfeld. „Du hast diese Stadt maßgeblich geprägt. Und das ist bei Dir keine Floskel. Es ist konkret sichtbar, greifbar und nutzbar – im gesamten Stadtgebiet“, sagte Tobias Stockhoff.
Sein beruflicher Weg führte Holger Lohse über mehr als drei Jahrzehnte durch die Stadtplanung und Stadtentwicklung Dorstens. Nach seinem Studium der Raumplanung an der TU Dortmund arbeitete er zunächst beim Tiefbauamt der Stadt Duisburg. 1990 wechselte er zur Stadt Dorsten und begann hier in der Verkehrsplanung, bevor er in die vorbereitende Bauleitplanung wechselte. 1994 übernahm er die Abteilungsleitung Stadtplanung im Planungs- und Umweltamt. Von 2002 bis 2004 war Holger Lohse Geschäftsführer der Projektgesellschaft Fürst Leopold, anschließend übernahm er die Leitung des Planungs- und Umweltamtes. 2009 wurde er Leiter des Technischen Dezernates und Stadtbaurat, im Juni 2012 wählte ihn der Rat der Stadt Dorsten zum Technischen Beigeordneten. Seit 2013 war Holger Lohse zudem Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Wulfen.
Damit war Holger Lohse über Jahrzehnte an zentralen Weichenstellungen der Dorstener Stadtentwicklung beteiligt. Dabei sei seine besondere Stärke immer gewesen, Menschen zusammenzubringen und unterschiedliche Interessen zu tragfähigen Lösungen zu führen. Empathie, Loyalität und Teamwork waren Begriffe, die an diesem Abend immer wieder fielen.
Dass Holger Lohse dabei nicht nur planerisch, sondern auch mit Humor gearbeitet hat, zeigte sich spätestens beim Abschiedsgeschenk des Verwaltungsvorstands: dem eigens angefertigten „Lohsepoly“. Das bekannte Monopoly-Spiel wurde dabei zur ganz persönlichen Dorstener Variante. Fürst Leopold, die Innenstadt, der Napoleonsweg und die Clemens-August-Straße finden sich auf dem Spielfeld wieder. Das Startfeld heißt nicht „Los“, sondern „Lohse“, frei parken darf man im Lippetal, und wer Pech hat, landet nicht im Gefängnis, sondern – natürlich mit einem Augenzwinkern – beim Rechnungsprüfungsamt.
Das Spiel sei ein passendes Bild für Holger Lohses Arbeitsweise, erklärte Tobias Stockhoff: Stadtplanung sei nie ein Einzelspiel gewesen. Vielmehr habe der Stadtbaurat Politik, Verwaltung, Bürgerschaft, Investoren, Fördergeber und andere Behörden zusammengebracht und auch bei unterschiedlichen Interessen nach Lösungen gesucht.
Nach der Laudatio wurde es auch in einer von Tobias Stockhoff moderierten Talkrunde persönlich und unterhaltsam. Gemeinsam mit Holger Lohse blickten Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst, Friedhelm Fragemann und Marc Lohmann, Leiter des Planungs- und Umweltamtes der Stadt Dorsten, auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.
Friedhelm Fragemann, der über viele Jahre Vorsitzender des Umwelt- und Planungsausschusses war, erinnerte an die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Er habe immer bewundert, wie konsequent und hartnäckig Holger Lohse seine Ziele verfolgt habe und dabei dennoch stets ausgleichend und vermittelnd aufgetreten sei.
Marc Lohmann konnte sich rückblickend an erstaunlich wenige Situationen erinnern, in denen es zwischen ihm und Holger Lohse tatsächlich zu größeren Meinungsverschiedenheiten gekommen sei. Das passe zu seiner Art, Menschen mitzunehmen, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Lambert Lütkenhorst wiederum hatte eine besondere Erinnerung aus seiner Zeit als Bürgermeister im Gepäck: eine Besprechung des damaligen Verwaltungsvorstands in einem Restaurant außerhalb der Stadtgrenzen, die offenbar etwas länger gedauert hatte als ursprünglich geplant. Die Erinnerung sorgte beim Publikum für einige Lacher – und zeigte zugleich, wie intensiv und eng die Zusammenarbeit über viele Jahre war.
Holger Lohse selbst zeigte sich von den vielen persönlichen und lobenden Worten sichtlich bewegt. Bei so viel Einigkeit über seine Person blieb ihm nur eine humorvolle Feststellung: „Ich kann mit keinem Wort widersprechen.“
Und auch sein Dezernat verabschiedete ihn mit einer besonderen Auszeichnung: Thorsten Huxel überreichte stellvertretend für die Amtsleitungen eine goldene 4 – die eigens angefertigte Ehrennadel des Baudezernats, des Dezernats 4.
In seinen Dankesworten betonte Holger Lohse, dass es ihm bei seiner Arbeit nie darum gegangen sei, sich selbst zu verwirklichen. „Ich habe immer für die Menschen in der Stadt geplant“, sagte er. Gute Stadtplanung müsse einen konkreten Nutzen für die Menschen haben. Dabei habe er sich jederzeit auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen können, denen er auf Augenhöhe begegnet sei. Sein Dank galt deshalb auch den vielen Kolleginnen und Kollegen, mit denen er über Jahrzehnte zusammengearbeitet hat.
Seinem Nachfolger Thorsten Huxel wünschte Holger Lohse für die kommenden Aufgaben alles Gute. Der Abschied falle ihm leichter, weil er wisse, dass sein Dezernat bei Thorsten Huxel in guten Händen sei. Die Herausforderungen würden dabei nicht kleiner: Insbesondere der Klimawandel werde die Stadtentwicklung und Planung künftig noch stärker bestimmen. Holger Lohses Wunsch an seinen Nachfolger und dessen Team: „Seid mutig, geht voran. Das ist das, was die Dorstenerinnen und Dorstener von uns erwarten.“
Besonders emotional wurde Holger Lohse noch einmal, als er seiner Familie dankte – seiner Ehefrau Manuela und seinen Kindern. Sie habe ihm über all die Jahrzehnte den Rücken freigehalten und damit überhaupt erst ermöglicht, dass er sich mit voller Kraft seinem Beruf widmen konnte. Die vielen Stunden, die er für seine Arbeit und die Entwicklung der Stadt aufgebracht habe, seien auch deshalb möglich gewesen, weil seine Familie diesen Weg mitgetragen habe.
Und trotz aller Herausforderungen, langer Arbeitstage und schwieriger Entscheidungen machte Holger Lohse an diesem Abend auch deutlich, dass ihm seine Arbeit immer Freude bereitet habe. Er habe über die Jahrzehnte eine große Wertschätzung von vielen Seiten erfahren – und diese Wertschätzung selbst immer wieder weitergeben wollen.
Musikalisch begleitet wurde der Abend von Hermine Beil, Schülerin der elften Klasse des St.-Ursula-Gymnasiums. Gleich zu Beginn sang sie „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ – passend zu Holger Lohses Gedanken über die nun beginnende neue Lebensphase, in der der Terminkalender nicht mehr den Takt vorgibt.
Zum Abschluss sang Hermine Beil „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“. Die letzte Zeile des Liedes passte schließlich beinahe zu perfekt zum Anlass: „Look, a new day has begun.“
Nach mehr als 30 Jahren bei der Stadt Dorsten beginnt für Holger Lohse nun tatsächlich ein neuer Tag, ein neuer Lebensabschnitt. Und ein neues Spielfeld.
Wahl des Nachfolgers
Unmittelbar vor der Verabschiedungsfeier hat der Rat der Stadt Dorsten den Nachfolger von Holger Lohse gewählt. Der Wahlgang für die Position des Technischen Beigeordneten musste dabei aus formalen Gründen wiederholt werden. In geheimer Wahl erhielt Thorsten Huxel erneut 27 Stimmen und damit die erforderliche Mehrheit. Sein Mitbewerber Alexander Fischer erhielt 14 Stimmen, zwei Ratsmitglieder enthielten sich.
Die Wahl steht noch unter dem Vorbehalt der gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigung durch den Landrat des Kreises Recklinghausen. Bis dahin hat Bürgermeister Tobias Stockhoff Thorsten Huxel mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 zum kommissarischen Technischen Dezernenten bestellt.
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