Arbeitswelt

Arbeitnehmerempfang mahnt „Fairantwortung“ trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der Wirtschaft an. Es gibt positive Beispiele für gute Unternehmensführung. 

BildStadt Dorsten
Das Bild zeigt die Teilnehmer des Arbeitnehmerempfangs in Dorsten vor dem Bürgerbahnhof.

Unter dem Motto „Arbeit verdient FAIRAntwortung“ hatten die Gewerkschaften in Kooperation mit der Stadt Dorsten am Sonntag zum traditionellen Arbeitnehmerempfang in den Bürgerbahnhof eingeladen. Nach der von Bürgermeister Tobias Stockhoff moderierten Podiumsdiskussion und regem Austausch durften die Teilnehmer_innen Zeichen der Zuversicht in einer kritischen Zeit mitnehmen.

Die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmerrechte sind im Augenblick nicht gut, skizzierte Mark Rosendahl, Geschäftsführer der DGB-Region Emscher-Lippe in seinem Eingangsstatement: „Wir befinden uns in einer Rezession, die Standort-Bedingungen sind schlecht, Zölle erschweren den Handel und China ist sehr aggressiv auf dem Weltmarkt. Es gibt Unternehmen, die diese Krise zum Arbeitsplatzabbau nutzen und zugleich bei den Steuern tricksen.“ Zugleich werde den Beschäftigten eine Mitschuld an der Krise zugeschoben, weil sie zu faul seien. Rosendahl: „Das ist asozial und lenkt ab von falschen Entscheidungen und der Verantwortung der Unternehmen.“ Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ setze sich der DGB ein für gerechte Steuern auf Kapitalerträge, Erbschaften und Vermögen. „Wir müssen Reichtum, den wir gemeinsam erwirtschaften, auch für uns alle verwenden. Denn unsere Renten werden nicht von Aktionären erwirtschaftet, sondern von den Beschäftigten.“

Dass faire Arbeitsbedingungen möglich sind - und zugleich dem Unternehmen nützen können, schilderte Fahrradhändler Klaus Schmitz, seit Kurzem auch Vorsitzender des Vereins „Sag JA! zu Dorsten“, der an seinen Standorten in Dorsten und Oberhausen 45 Mitarbeiter beschäftigt. Das Berufsbild sei anspruchsvoll geworden, gute Mechaniker zu finden sei heute nahezu unmöglich geworden, berichtete Schmitz im Gespräch mit Bürgermeister Stockhoff. Er setzt in seinem Unternehmen nicht nur auf ein gutes Betriebsklima, sondern auch auf Weiterbildung und Schulungen und er setzt konsequent auf Ausbildung. „Wir brauchen Nachwuchs, sonst können wir nicht erfolgreich sein.“

Andrè Sänger, Personalratsvorsitzender der Stadt Dorsten, umriss die Arbeitsbedingungen in der Verwaltung. Insbesondere in den unteren Lohngruppen gebe es einen spürbaren Mangel an Fachkräften, insbesondere für diese würde er sich Verbesserungen wünschen, um die Bindung an die Stadt als Arbeitgeber noch zu stärken: „Der Müll wird nicht von einer Künstlichen Intelligenz abgeholt - sondern von unseren Kolleginnen und Kollegen.“

Angelika Sczesny, Vorsitzende der DGB-Ortsgruppe Dorsten, Mitglied des Kreisvorstandes, berichtete aus der Reinigungsbranche, „die wenig gewertschätzt wird“, in der die Arbeitsbedingungen hart sind und Lohnerhöhungen manchmal aufgefressen werden durch gleichzeitige Akkorderhöhungen. Sczesny, seit 26 Jahren in der Gewerkschaft aktiv, rät Betroffenen: „Solidarisiert Euch in Gewerkschaften. In dieser Gemeinschaft kann man viel erreichen.“

Jörg Belecke, Mitglied im Presbyterium der ev. Martin-Luther-Kirche, sprach das Schlusswort nach engagierter Diskussion: „Arbeit muss nicht nur organisiert werden, sondern ist auch ein Ort, an dem Haltung gezeigt wird. Arbeit verändert sich, das schafft Unsicherheit, aber auch neue Spielräume.“ Darum sei Verantwortung der Kern guter Arbeit." Zum Abschied zitierte er Jesus: „Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel verlangen.“ Und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Das ist keine Drohung, sondern ein Zutrauen.“

Bürgermeister Tobias Stockhoff dankte den Vertretern von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite für den konstruktiven Austausch und den Gästen für ihr Interesse am Arbeitnehmerempfang. 

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