Bürgerbahnhof

EU-Fördermittel machen Dorstener Stadtgeschichte lebendig. Dennis Radtke (MdEP) besucht den Bürgerbahnhof – Otto-Borst-Preis würdigt Vorzeigeprojekt

BildStadt Dorsten
Auf dem Foto: Vor dem ausgezeichneten Bürgerbahnhof: Nina Laubenthal (Erste Beigeordnete), Jan Heppner (Erster Stellvertretender Bürgermeister), Markus Pieper (Greenbox Landschaftsarchitekten), Holger Lohse (Stadtbaurat), Vera Kloke, Peter Kemper (beide Feja + Kemper Architekten), Hubert Stenkamp (Stadt Dorsten), Dennis Radtke (MdEP), Egon Hilge, Cornelina Lüngen-Steinau (beide Bahnhofsfamilie), Birte Becker, Jan Müller (beide Geschäftsführung Dorstener Arbeit) und Stephan Sandforth (Bahnhofsfamilie).
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Wie europäische Fördermittel ganz konkret vor Ort wirken können, davon hat sich der Europaabgeordnete Dennis Radtke (MdEP) am Montag beim Besuch des Bürgerbahnhofs Dorsten überzeugt. Der Termin bildete den zweiten Teil seiner EU-Fördermitteltour durch den Kreis Recklinghausen, die zuvor bereits in Haltern am See Station gemacht hat. Gemeinsam mit einer Delegation aus Haltern am See um Bürgermeister Andreas Stegemann reiste Radtke anschließend nach Dorsten. Dort informierten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung und der Bahnhofsfamilie über die Entstehung des Bürgerbahnhofs – einem Projekt, das heute weit über die Stadtgrenzen hinaus als Beispiel gelungener Stadtentwicklung gilt.

Empfangen wurden die Gäste vom Ersten Stellvertretenden Bürgermeister Jan Heppner. Gemeinsam mit der Ersten Beigeordneten Nina Laubenthal und Stadtbaurat Holger Lohse stellte er die Entwicklung des historischen Bahnhofsgebäudes vor. Im Anschluss bot sich den Besucherinnen und Besuchern bei einem Rundgang die Gelegenheit, die sanierten Räumlichkeiten kennenzulernen und sich über die heutigen Nutzungen sowie die aktuellen ESF-Plus-Projekte (Europäischer Sozialfonds) der Dorstener Arbeit gGmbH zu informieren.

Der Bürgerbahnhof ist das größte Einzelprojekt des integrierten Handlungskonzeptes „Wir machen MITte“, mit dem zwischen 2015 und 2023 mehr als 30 soziale und bauliche Projekte zur Stärkung der Innenstadt umgesetzt wurden. Insgesamt flossen mehr als 40 Millionen Euro in die Entwicklung der Dorstener Innenstadt und der angrenzenden Quartiere.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1879 stand nach dem Auszug der Deutschen Bahn jahrzehntelang leer und verfiel zunehmend. Mit dem Erwerb durch die Stadt Dorsten im Jahr 2014 eröffnete sich die Chance, das historische Gebäude nicht nur zu erhalten, sondern ihm eine völlig neue Funktion zu geben.

„Der Bürgerbahnhof ist ein Symbol unserer Stadtgeschichte. Über mehr als 145 Jahre war der Bahnhof Ankunfts- und Ausgangspunkt für Generationen von Menschen. Heute ist er wieder ein Herzstück unserer Stadt und ein echtes Juwel historischer Bausubstanz in Dorsten. Die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Architektur und neuer Nutzung zeigt eindrucksvoll, wie Gebäude von stadtgeschichtlicher Bedeutung zukunftsfähig entwickelt werden können“, sagte Stadtbaurat Holger Lohse.

Im Rahmen des Projekts wurde das Bahnhofsgebäude aufwendig saniert, barrierearm umgebaut und mit modernen Nutzungen versehen. Historische Elemente wie die charakteristische Treppenanlage oder der ursprüngliche Grundriss blieben dabei erhalten. Ergänzt wurde die Sanierung durch einen Aufzug, barrierefreie Zugänge und moderne Technik.

Heute ist der Bürgerbahnhof weit mehr als ein Verkehrsknotenpunkt. Gruppen- und Seminarräume stehen Vereinen, Initiativen und Bildungsträgern offen. Die Dorstener Arbeit gGmbH betreibt als Ankermieterin die Ausbildungsgastronomie „Speisesaal“, in der Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt qualifiziert und auf eine Beschäftigung vorbereitet werden. Gleichzeitig finden im Gebäude zahlreiche Beratungs-, Bildungs- und Kulturangebote statt.

„Der Bürgerbahnhof ist ein beeindruckendes Gemeinschaftsprojekt, bei dem Bürgerinnen und Bürger sowie Verwaltung, Politik und Fachplaner Hand in Hand gearbeitet haben. Aus einem lange leerstehenden Gebäude ist ein lebendiger Treffpunkt für Begegnung, Bildung, Kultur und gesellschaftliches Engagement entstanden“, sagte die Erste Beigeordnete Nina Laubenthal.

Dass der Bürgerbahnhof heute mit Leben gefüllt ist, geht auch auf das Engagement der Bahnhofsfamilie zurück. Bereits vor der Antragstellung für die Fördermittel entwickelte die Stadt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern in mehreren Workshops das Nutzungskonzept. Aus diesem Beteiligungsprozess entstand die Bahnhofsfamilie – ein Zusammenschluss ehrenamtlich Engagierter, die den Bürgerbahnhof bis heute aktiv mitgestalten.

Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund 13,1 Millionen Euro. Rund 9,6 Millionen Euro wurden durch Fördermittel der Europäischen Union, des Bundes und des Landes finanziert. Insbesondere die Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ermöglichten eine deutlich höhere Förderung als durch die Städtebauförderung allein.

Für Dennis Radtke ist genau das ein Beispiel dafür, welchen Mehrwert europäische Förderprogramme schaffen können. „Der Bürgerbahnhof zeigt eindrucksvoll, wie Europa ganz konkret vor Ort wirkt. Hier wurden Fördermittel sinnvoll eingesetzt, um Geschichte zu bewahren, Zukunft zu gestalten und einen Ort zu schaffen, der den Menschen zugutekommt. Genau solche Projekte machen den europäischen Gedanken greifbar und stärken unsere Städte und Kommunen nachhaltig“, sagte der Europaabgeordnete.

Auch der Erste Stellvertretende Bürgermeister Jan Heppner hob die besondere Bedeutung des Bürgerbahnhofs hervor. „Der Bürgerbahnhof ist heute Treffpunkt, Anlaufstelle und Aufenthaltsort zugleich. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlichster Generationen und Hintergründe. Das Gebäude steht damit sinnbildlich für das, was Europa ausmacht: Zusammenhalt, Offenheit, Teilhabe und gelebte Gemeinschaft."

Dass der Bürgerbahnhof weit über Dorsten hinaus Beachtung findet, zeigt auch die jüngste Auszeichnung mit dem Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung. Der international ausgeschriebene Preis wird alle zwei Jahre vom Forum Stadt – Netzwerk historischer Städte e. V. vergeben und würdigt herausragende Projekte, die historische Bausubstanz erhalten, sensibel weiterentwickeln und durch neue Nutzungen lebenswerte Stadträume schaffen. In der Kategorie „Stadtbaustein“ wurde der Preis für das Projekt „Umbau Bahnhof Dorsten“ an die Feja + Kemper Architekten Stadtplaner sowie die GREENBOX Landschaftsarchitekten verliehen. Stellvertretend nahmen Vertreter der Stadt Dorsten die Auszeichnung im Juni in Trier entgegen.

Im Treppenhaus des Bürgerbahnhofs erinnert heute eine Plakette an diese besondere Würdigung.

Für die Stadt Dorsten ist die Auszeichnung zugleich eine Anerkennung des gesamten Gemeinschaftsprojekts. Sie würdigt das gelungene Zusammenspiel von qualitätsvoller Architektur, sensibler Freiraumgestaltung, dem großen Engagement der Bahnhofsfamilie sowie der engen Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Gemeinsam ist es gelungen, aus einem jahrzehntelang leerstehenden Bahnhofsgebäude einen lebendigen Ort der Begegnung und ein beispielhaftes Projekt der Stadterneuerung zu entwickeln.

Die Stadt Dorsten nutzte den Besuch des Europaabgeordneten daher zugleich, um den zahlreichen Beteiligten zu danken, die das Projekt über viele Jahre begleitet haben. Neben Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung nahmen zahlreiche Mitarbeitende der Stadtverwaltung teil, die den Bürgerbahnhof von der ersten Idee über die Förderanträge bis zur Fertigstellung in unterschiedlichen Funktionen maßgeblich mitgestaltet haben. Ein besonderer Dank galt der Bahnhofsfamilie, deren außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement den Bürgerbahnhof von Anfang an geprägt hat und bis heute mit Leben erfüllt.

Mit dem Bürgerbahnhof ist in Dorsten ein Ort entstanden, der eindrucksvoll zeigt, wie Denkmalschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, bürgerschaftliches Engagement und europäische Förderung erfolgreich zusammenwirken können. Aus einem lange leerstehenden Bahnhofsgebäude ist wieder ein lebendiger Mittelpunkt der Stadt geworden – und ein Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft weit über Dorsten hinaus.

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