Schwester Johanna Eichmann

Festveranstaltung zum 100. Geburtstag von Schwester Johanna Eichmann OSU: Gut 150 Gäste 
erinnern in der Klosterkirche St. Ursula an eine Jahrhundertpersönlichkeit

BildStadt Dorsten
Auf den Fotos: Eindrücke von der Festveranstaltung anlässlich des 100. Geburtstages von Schwester Johanna Eichmann OSU.

Anlässlich des 100. Geburtstages der verstorbenen Dorstener Ehrenbürgerin Schwester Johanna Eichmann OSU haben der Trägerverein des Jüdischen Museums Westfalen, das Ursulinenkloster Dorsten, das Gymnasium St. Ursula, der Kreis Recklinghausen sowie die Stadt Dorsten am Dienstagabend zu einer gemeinsamen Festveranstaltung in die Klosterkirche St. Ursula eingeladen. Gut 150 geladene Gäste aus Politik, Kirche, Schule und Stadtgesellschaft nahmen an dem Gedenken teil. Im Anschluss fand ein Empfang zum persönlichen Austausch in der Cafeteria und Aula des Gymnasiums statt.

Unter den Gästen war auch die in Dorsten geborene und aufgewachsene nordrhein-westfälische Schulministerin Dorothee Feller, die in einer bewegenden Eröffnungsrede das Lebenswerk Schwester Johannas würdigte. Bildung sei und bleibe „unser wirksamstes Mittel zum Schutz unserer Demokratie“. Weit über den Orden der Ursulinen hinaus habe Schwester Johanna Bildung zu ihrer Lebensaufgabe gemacht und damit einen Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft nachhaltig gestärkt – ein Vermächtnis mit hoher Aktualität.

Schulleiterin Elisabeth Schulte Huxel erinnerte an das prägende Wirken Schwester Johannas als Lehrerin und langjährige Leiterin des Gymnasiums St. Ursula. Ihr pädagogisches Leitbild – Erziehung in Freiheit, Förderung von Eigenverantwortung, Haltung zeigen – wirke bis heute fort.

Bürgermeister Tobias Stockhoff betonte in seiner Rede: „Schwester Johanna war nicht nur Zeitzeugin, sondern Zeitgestalterin. Mit Mut, Aufrichtigkeit und einem klaren Wertekompass hat sie unsere Stadt geprägt. Ihr Einsatz für Bildung, Toleranz und Menschlichkeit ist heute aktueller denn je.“

Musikalisch gestaltet wurde der Abend von Schüler Felix Hochstrat und Lehrer Matthias Spengler vom Gymnasium St. Ursula. Henner Maas, Lehrer und ev. Pfarrer, setzte mit einer Lesung aus dem Buch Jesaja einen geistlichen Impuls.

In einer von Tobias Stockhoff moderierten Gesprächsrunde wurden zentrale Stationen ihres Lebens beleuchtet – Jugend, Berufung, Bildung, Erinnerungskultur. Lydia Wehling, Schülerin des Gymnasiums, erinnerte an Kindheit und frühe Lebensjahre.

Schwester Annette Borgmann OSU und Schwester Benedicta Kimmeyer OSU beschrieben sie als Ordensfrau und Oberin, die nach dem Grundsatz lebte, „mitten in der Welt zu sein, unter den Menschen, für sie da zu sein“. Das Kloster war für sie Heimat und Berufung zugleich – ein Ort, an dem sie sich angenommen und geborgen wusste und von dem aus sie wirkte.

Elisabeth Schulte Huxel und die ehemalige Schülerin Barbara Knebel zeichneten das Bild einer Pädagogin und Schulleiterin mit Haltung und Herz, die junge Menschen ermutigte, ihren eigenen Weg zu gehen und Verantwortung zu übernehmen.

Für das Jüdische Museum Westfalen erinnerten Thomas Ridder und Anke Klapsing-Reich an ihre Rolle als Mitbegründerin und langjährige ehrenamtliche Leiterin. Schwester Johanna brachte ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Perspektive als Zeitzeugin ein – ein unschätzbarer Beitrag für die Erinnerungsarbeit. Ihr tiefes Interesse an Geschichte und ihr Wunsch nach Verständigung und Versöhnung führten sie in die Forschungsgruppe „Dorsten unterm Hakenkreuz“ und schließlich zur Mitbegründung des Museums. Erinnerung, Verantwortung und Dialog waren für sie gelebter Auftrag.

Landrat Bodo Klimpel unterstrich ihre Bedeutung als „Vestische Ehrenbürgerin“ und betonte: „Für alles, wofür sie 2007 ausgezeichnet wurde – ihren Einsatz für Toleranz, Menschlichkeit und religiöses Miteinander – würde man sie auch heute wieder ehren.“

Johanna Eichmann, geboren am 24. Februar 1926 in Münster als Ruth Eichmann, trat 1952 in den Orden der Ursulinen ein. Von 1964 bis 1991 leitete sie das Gymnasium St. Ursula. 1992 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Jüdischen Museums Westfalen, das sie bis 2006 ehrenamtlich leitete. Für ihr Wirken erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, den Titel „Vestische Ehrenbürgerin“ des Kreises Recklinghausen sowie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Dorsten.

Der Abend stand im Zeichen von Dankbarkeit, Erinnerung, Verantwortung und Zukunftsauftrag. Hundert Jahre nach ihrer Geburt bleibt das Vermächtnis Schwester Johannas lebendig – als Orientierung, als Ermutigung und als klare Haltung für Bildung, Demokratie und gelebte Menschlichkeit in Dorsten und darüber hinaus.

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