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Im April erfolgt die Abstimmung über die "Spielregeln" für die Grüngestaltung auf öffentlichen Flächen in Barkenberg.
Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zur Abstimmung und Hintergrundinformationen.

Die Diskussion um die Palmen am Griechenlandhaus

Die auf städtischem Grund gepflanzten Palmen am so genannten "Griechenlandhaus" am Gecksbach haben im letzten Jahr eine engagierte Diskussion in der Bürgerschaft ausgelöst über die "Spielregeln", die für den Umgang mit öffentlichen Flächen in Barkenberg gelten.

Die Abstimmung

In Abstimmung mit der Politik wurde entschieden, die Bürgerschaft im Ortsteil über dieses Thema abstimmen zu lassen.

Die Bürger im Ortsteil werden dazu rechtzeitig vor der Abstimmung angeschrieben.

Die Möglichkeit zur Abstimmung besteht an folgenden Tagen:

Freitag, 13. April, 9 bis 13 Uhr
Sonntag, 15. April, 11 bis 15 Uhr
Freitag, 27. April, 9 bis 13 Uhr
Sonntag, 29. April, 11 bis 15 Uhr

jeweils im Gemeinschaftshaus Wulfen.

Barkenberg Collage

Infoabend vor der Abstimmung

Außerdem lädt die Stadt vor der Abstimmung ein zu einem

Infoabend am

Dienstag, 10. April 2018, 19 Uhr, im Gemeinschaftshaus Wulfen.

Über welche Alternativen wird abgestimmt?

Mit der Abstimmung soll geklärt werden, ob von diesen Festlegungen abgewichen werden darf, wenn Bürger eine Patenschaft für öffentliche Grünflächen übernehmen und diese z.B. pflegeleicht umgestalten möchten. Die Alternativen der Abstimmung:

"Ja": Bei der Übernahme von Grünpatenschaften für öffentliche Flächen darf von den bisher geltenden Leitlinien der Gestaltung abgewichen werden.

Dabei gelten folgende Bedingungen:

  • Die Grünpatenschaft wird in Absprache mit der Stadt übernommen.
  • Grün bleibt Grün: keine Versiegelung, keine Abdeckung mit Kies, keine private Vereinnahmung öffentlicher Flächen durch Zäune oder Bebauung.
  • Umgestaltung von Flächen, die mehreren (meist Reihen-)Häusern zuzuordnen sind, nur bei Einigkeit aller unmittelbaren Anwohner.
  • Über Baumbestand wird nicht im Rahmen einer Grünpatenschaft entschieden.
  • Bei Wegzug oder Aufgabe der Patenschaft müssen Veränderungen eventuell in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
  • Ein bereits vorgenommener Eingriff in öffentliches Grün kann auf Antrag nachträglich legalisiert werden, wenn er den vorgenannten Bedingungen entspricht.
  • Von der Beschränkung auf standortgerechte Gehölze, Sträucher und Pflanzen kann im Einzelfall abgewichen werden.

-> Konsequenz für die Palmen: Sie dürfen unter Berücksichtigung dieser Bedingungen stehen bleiben.

"Nein": Die Leitziele der Grüngestaltung in Barkenberg sollen auf allen öffentlichen Flächen unverändert gelten. Dies gilt insbesondere für die Beschränkung auf standortgerechte Gehölze, Sträucher und Pflanzen.

Die oben genannten Festlegungen gelten weiterhin grundsätzlich für alle öffentlichen Flächen. Die Übernahme von Grünpatenschaften für öffentliche Flächen bleibt auch bei diesem Modell möglich und erwünscht.

-> Konsequenz für die Palmen: Sie müssen entfernt werden.

Warum eine Abstimmung über Regeln für Grünpatenschaften?

Es gibt für Barkenberg keine einheitlichen Festlegungen, wie öffentliches Grün gestaltet wird. Vielmehr besteht eine Vielzahl von Regelungen, die ein Gesamtbild ergeben: Gutachten aus der Planungs- und Aufbauzeit von Barkenberg, Einzelverträge der damaligen Entwicklungsgesellschaft Wulfen mit Bauherren oder Bestimmungen in Bebauungsplänen.

Folgende Festlegungen prägen dabei das öffentliche Grün in Barkenberg:

  • Verdichtete Bebauung in parkähnlicher Landschaft mit großen Freiflächen.
  • Fließende Übergänge von privaten zu öffentlichen Flächen.
  • Beschränkung auf standortgerechte heimische Gehölze, Sträucher und Pflanzen.
  • Vernetzung der Grünflächen.
  • Hoher ökologischer Wert der Grüngestaltung.

Was bedeutet es, wenn ich mit "Ja" oder "Nein" stimme?

Mit "Ja" stimmen die Bürgerinnen und Bürger einer Veränderung der Spielregeln zu. Das heißt, dass bei Übernahme von Grünpatenschaften künftig von den bestehenden Festlegungen abgewichen werden kann. Das heißt: Die Palmen könnten mit Übernahme einer Grünpatenschaft nachträglich "legalisiert" werden. Denkbar sind außerdem insbesondere pflegeleichte Umgestaltungen von Grünflächen, wenn Anwohner dafür Patenschaften übernehmen wollen, zum Beispiel Einsaat von ökologisch wenig wertvollem, aber eben pflegeleichtem Rasen.

Mit "Nein" stimmen die Bürgerinnen und Bürger dafür, dass die bestehenden Festlegungen weiter eingehalten werden sollen. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Palmen am Griechenlandhaus, die ganz oder teilweise auf städtischem Grund stehen, entfernt werden müssen, da es sich nicht um standortgerechte Pflanzen handelt.

Zur Geschichte der Regeln für die Grüngestaltung in Barkenberg

Wer sich umfassend über das Thema informieren möchte, muss die Geschichte des Dorstener Stadtteils Wulfen-Barkenberg kennen und einen komplexen Hintergrund verstehen.

Barkenberg ist eine ursprünglich auf dem Reißbrett geplante Stadt, die mit der Nordwanderung des Bergbaus und der Abteufung eines neuen Bergwerks in Wulfen in den 1950er Jahren als Quartier für Bergarbeiter entstehen sollte.

Das Bergwerk wurde von den ersten Kohlekrisen überholt, hatte statt erwarteter bis zu 6000 Mitarbeiter nie mehr als 400 und wurde noch in den 1970er Jahren mit dem Dorstener Bergwerk Fürst Leopold verbunden (Ende der Förderung hier im Jahre 2001). Die Pläne für den Aufbau Barkenbergs wurden entsprechend angepasst und reduziert.

Heute leben in dem Quartier rund 8000 Menschen. Zunehmenden Leerständen in den Siedlungsbereichen mit höherem Geschosswohnungsbau wurde ab 2007 mit dem Landesprogramm Stadtumbau West begegnet: In zentralen Quartieren wurden durch Abriss und Rückbau rund 400 Wohnungen "vom Markt" genommen, andere Bestände mit Zuschüssen des Landes Nordrhein-Westfalen und in Absprache zwischen Stadt Dorsten und beteiligten Wohnungsbaugesellschaften umfassend saniert und modernisiert.

Die planerischen Ursprünge Barkenbergs

In einem städtebaulichen Wettbewerb wurde 1961 die Planungsgrundlage für Barkenberg ermittelt. Der Wettbewerb gilt als "Geburtsstunde" dieser Stadt, die ursprünglich für rund 50 000 Einwohner entstehen sollte. Diese erste Planung wurde in den Folgejahren detailliert ausgearbeitet. Dabei wurden auch grundlegende Konzepte hinterlegt (die teilweise bis heute modern sind, sich aber teilweise auch als Last erweisen).

Einige Beispiele:

  • Die "allelektrische Stadt" oder "die Stadt ohne Kamine": Barkenberg wurde mit Strom und Nachtspeicherheizungen beheizt. Das war damals günstig, wurde mit der Deregulierung der Strommärkte und stark steigenden Preisen für Nachtstrom zur Last für viele Einwohner.
  • Barkenberg war neben konventioneller Bebauung mit Einfamilien- und mehrgeschossigen Wohnhäusern in Teilen ein Versuchsfeld für architektonische Konzepte. Die Modelle Habiflex (leerstehend) und Metastadt (bereits Ende der 1980er Jahre abgerissen) gelten in Barkenberg als gescheitert, das Modell Terassenhaus Finnstadt dagegen als erfolgreich.
  • In Barkenberg sind die Verkehrssysteme für Kfz-Verkehr einerseits, für Radler und Fußgänger andererseits getrennt. Neben den Vorteilen (z.B. hohe Sicherheit für den Aufenthalt von Kindern im Freien) gibt es heute auch Nachteile: Vor allem die alternde Bevölkerung muss längere Fußwege von Garagenhöfen und Parkplätzen bis zum Wohnhaus in Kauf nehmen.

Grün im Stadtteil Wulfen-Barkenberg

Bestandteil des Siegerbeitrags von 1961 im städtebaulichen Ideenwettbewerb war auch ein Grünaufbauplan, der die ökologische Gestaltung des Stadtteils beschrieb. Dieser Plan wurde in den mittleren 1960er Jahren in Gutachten und Planungen weiter entwickelt und detailliert ausgearbeitet.

Prägend ist eine verdichtete Bebauung (bei Privathäusern oft auf recht kleinen Grundstücken) in einer parkähnlichen Landschaft mit großzügigen Freiflächen. Bewusst sollten die Übergänge von der Landschaft in städtische Strukturen und die Übergänge von öffentlichen zu privaten Flächen fließend sein. Bestehende Grünstrukturen - insbesondere die Baumbestände um frühere Hofstellen - sollten erhalten bleiben. Bereits damals wurden Kaltluftschneisen zur klimatischen Belüftung eingeplant oder Kleingewässer. Den Bewuchs sollten heimische Gewächse bilden.

"Problemzonen" der Grüngestaltung in Barkenberg 2017

In der Vergangenheit haben sich zwei Themen herauskristalisiert, die häufig Anlass für Konflikte zwischen Verwaltung und Bürgern, aber auch zwischen Bürgern und Bürgern waren:

Pflegezustand: Es ist in den letzten vier Jahrzehnten versäumt worden, den Grünwuchs im Zaum zu halten, anfangs noch von der Entwicklungsgesellschaft (EW) Wulfen, später auch von der Stadt Dorsten als Rechtsnachfolgerin: "Reservepflanzungen" (es wurden drei Bäume gesetzt, wo zwei sinnvoll waren, um zu schauen, welche Jungbäume angehen und welche nicht) wurden nicht zurückgenommen, wild wachsende Bäume wurden nicht beseitigt, Hecken und Büsche nicht ausreichend gestutzt. Mit der in den frühen 1990er Jahren beginnenden Finanznot der Städte wurden Pflegestandards im gesamten Stadtgebiet sukzessive reduziert. Zugleich stellen wir fest, dass die Bereitschaft, öffentliche Flächen mitzupflegen, in verschiedenen Siedlungen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist.

Die Stadt hat diesen Missstand erkannt und vor zwei Jahren einen Prozess begonnen zur "Renovierung" des Grünbestands. Mit starker Bürgerbeteiligung werden quartiersweise und sehr detailliert Pläne entwickelt, ein Zuviel an Grün zurückzunehmen, um die ursprüngliche Planungsidee wieder herzustellen.

Abgrenzung von öffentlichen und privaten Flächen: Dass öffentliches Grün und (kleine) private Grundstücke fließend ineinander übergehen, wurde von vielen Siedlern nicht akzeptiert. Es gab viele und nicht selten skurille Fälle "illegaler Landnahme":

  • Einfriedungen von öffentlichen Flächen als private Vorgärten.
  • Anlage von unerwünschten Zäunen und Hecken.
  • Bau von Gartenhäusern, Öl- und Gastanks auf öffentlichen Flächen.
  • Anlage von Brunnen zur Gartenbewässerung auf öffentlichen Flächen (dabei wurde auch schon eine Trinkwasserleitung angebohrt).

Grundlagen für den Alltag im Umgang mit Grün im Stadtteil

In der Diskussion um das sog. "Griechenlandhaus" wurde immer wieder gefragt nach der juristischen Grundlage für die Frage, ob die Palmen als nicht standortgerechte Pflanzen entfernt werden müssen.

Die eine gültige Satzung dazu gibt es nicht. Vielmehr ist die Stadt bei der Gestaltung öffentlicher Flächen gebunden durch ein Mosaik von Vereinbarungen, das letztlich ein Bild ergibt:

  • Grundlagen sind die Planungsskizzen von 1961 und die weitere Ausformulierung in den späteren 1960er Jahren.
  • Die frühen Siedler in Barkenberg (späte 1960er, frühe 1970er Jahre) haben mit der Entwicklungsgesellschaft Wulfen bei Kauf eines Grundstückes häufig Verträge abgeschlossen, die sowohl die Gestaltung privater Flächen als auch die Pflicht zur Pflege angrenzender öffentlicher Flächen regelt. Häufig wurden diese Verträge bei Hausverkäufen aber nicht an die nachfolgenden Bewohner weitergegeben.
  • Die Bebauungspläne für die Quartiere in Barkenberg enthalten häufig - nicht immer - Gestaltungssatzungen, die den Geist der ursprünglichen Planung wiederspiegeln.
  • Die Bindung der Stadt an diese Festlegungen wurde bei Verstößen in den vergangenen Jahren immer wieder von Bürgern und auch vom bürgerschaftlich organisierten Stadtteilgremium Wulfen-Konferenz eingefordert. Dabei ging es aber in der Regel um weniger medienwirksame Tatbestände, also nicht um Palmen, sondern eher um ungenehmigte Einfriedungen öffentlicher Flächen.

Konzept-Diskussionen in der Bürgerschaft

Viele Einwohner des Stadtteils Wulfen-Barkenberg schätzen die planerischen Grundzüge dieser Siedlung und die hinterlegten Konzepte. In Einzelgesprächen und in der bürgerschaftlich organisierten "Wulfen-Konferenz" wurde in der Vergangenheit immer wieder die Einhaltung der für diesen Stadtteil geltenden "Spielregeln" angemahnt und eingefordert.

Die Diskussion um das sog. "Griechenlandhaus"

Der Eigentümer hat das in Rede stehende Gebäude vor rund zwei Jahren erworben und nach seinem Geschmack mediterran ausgestaltet (u.a. mit blauen Fensterrahmen und Palmen).

Dabei hat er auch einige Palmen in der Umfriedung seines Grundstücks grenzständig, einige vollständig auf öffentlichem Grund gepflanzt und öffentliche Bereiche u.a. mit Steinanschüttungen gestaltet.

Nachdem der Eigentümer Anfang 2017 einen (durchaus positiven) Artikel über die Gestaltung seiner Liegenschaft in der "Dorstener Zeitung" mitgestaltet hat, haben sich bei der Stadtverwaltung Dorsten Hinweise gehäuft zur Frage, ob eine solche  Gestaltung mit den zuvor beschriebenen "Spielregeln" in Barkenberg vereinbar ist und angesichts der vielfältigen Erfahrungen mit unerlaubter "Landnahme" öffentlicher Flächen nicht unterbunden werden muss. Diese Fragen wurden aufgeworfen in der Wulfen-Konferenz, in Gesprächen mit dem Technischen Beigeordneten der Stadt Dorsten und mit Mitarbeitern der Grünflächenabteilung. Für die Stadt Dorsten waren diese Hinweise ausreichend, um auf den Hauseigentümer zuzugehen.

Die Diskussion in Politik und Bürgerschaft

In der danach entbrannten öffentlichen Diskussion hat sich gezeigt, dass es in dem Dorstener Stadtteil Wulfen-Barkenberg sowohl Befürworter als auch Gegner der hier geltenden Festlegungen gibt. Bürgermeister Tobias Stockhoff hat die Gesamtthematik darum in der Politik zur Diskussion gestellt. Entschieden wurde, die Bürgerinnen und Bürger in Barkenberg über das Thema abstimmen zu lassen.

Fragen?

Fragen zum Grünkonzept und zur Abstimmung beantworten

Carsten Ascherfeld
Grünflächenabteilung, Telefon 02362 / 66 54 64, carsten.ascherfeld@dorsten.de

Ludger Böhne
Bürgermeisterbüro, Telefon 02362 / 66 34 71, ludger.boehne@dorsten.de