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Bürgermeister-Radtour nach Rybnik – zweite Etappe




Das Bild zeigt die Gruppe am Dienstag vor dem Start am Rathaus (v.l.): Bürgermeister Tobias Stockhoff macht noch rasch ein Foto von den Mitreisenden Adam Juzek, Franz-Josef Gövert, Martia Kipinski, Paul und Elisabeth Schulte-Huxel, Sebastian Herpers. Foto Stadt Dorsten


- Gruppe radelt die 600 Kilometer lange Strecke von Hainichen in die Partnerstadt
- Reise führt durch drei Länder
- Spendenaufruf zur Unterstützung des Dorstener Frauenhauses

Durch das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft steht Rybnik in Polen in diesem Jahr im Blickpunkt der internationalen Kontaktpflege. Rybnik ist auch das Ziel, wenn Bürgermeister Tobias Stockhoff am Dienstag auf die zweite Etappe der diesjährigen Bürgermeister-Radtour startet. Dabei wird er wie immer von einer Gruppe von Bürgern begleitet. Und wie immer ist die Tour mit einer herzlichen Bitte um Spenden verbunden, die diesmal dem Frauenhaus in Dorsten zu Gute kommen.

Die Tour musste in diesem Jahr zweigeteilt werden. Bereits im Mai absolvierte eine Gruppe die erste Etappe von Dorsten bis in Dorstens sächsische Partnerstadt Hainichen. Am Dienstag nun geht es zunächst per Bulli wiederum nach Hainichen, wo die Gruppe von Bürgermeister Dieter Greysinger und Freundeskreis-Vorsitzender Carmen Fischer empfangen werden. Am Mittwoch steigen der Bürgermeister und seine Begleiter auf die Räder um und starten auf die Strampel-Strecke nach Rybnik, wo sie am Montag (5. August) von Stadtpräsident Piotr Kuczera empfangen werden. Kucera hat sich bereits einen ganzen Tag Zeit genommen, um mit den Gästen die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu erkundigen – übrigens ebenfalls per Rad.

Begleitet wird Bürgermeister Stockhoff auf dieser Reise unter anderem von Adam Juzek, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Rybnik. Für die Mitfahrt gab es darüber hinaus viele Bewerber, so dass die Teilnehmer ausgelost wurden. Alle Teilnehmer nehmen für diese Fahrt Urlaub und begleichen alle Kosten privat. Begleit-Bulli, Fahrrad-Anhänger und Reserve-E-Bike werden von den Firmen Busunternehmen Kremerskothen und Autohaus Lehmbrock kostenlos zur Verfügung gestellt.

In sechs Tagesetappen zwischen 89 und 120 Kilometern Länge mit den Stationen Ohorn, Görlitz, Bolkow an der polnisch-tschechichschen Grenze, Javornik in Tschechien und Komorno in Polen wird die Gruppe nach gut 600 Kilometern Rybnik erreichen.

Wer den Spendenaufruf für das Dorstener Frauenhaus unterstützen möchte, kann eine Spende einzahlen auf ein Konto des Vereins „Dorsten dankt Dir“

Sparkasse Vest Recklinghausen
IBAN DE32 4265 0150 0090 2537 09
BIC WELADED 1 REK
Vereinte Volksbank eG
IBAN DE98 4246 1435 0186 5524 00
BIC GENODEM 1 KIH

Bitte als Stichwort „Frauenhaus“ angeben. Wer eine Spendenquittung benötigt (ist erst ab 200 Euro beim Finanzamt erforderlich, bis dahin reicht der Kontoauszug) sollte auf der Überweisung auch seine Postanschrift mit angeben.

 

Tagebuch

Bürgermeister-Radtour nach Rybnik – zweite Etappe

Tag 1: Dienstag, 30. Juli


Noch ohne Pedalantrieb: 530 Kilometer mit dem Bulli von Dorsten nach Hainichen

Stau- und stressfrei



Pünktlich um 9 Uhr startete die Dorstener Radlergruppe mit dem Kleinbus vom Rathaus in Richtung Hainichen (Sachsen). Begleitet wird Bürgermeister Tobias Stockhoff dabei vom Vorsitzenden des Freundeskreises Rybnik, Adam Juzek, Franz-Josef Gövert, Sebastian Herpers, Marita Kipinski sowie Elisabeth und Paul Schulte-Huxel.

Bereits auf der A2, direkt nach Castrop-Rauxel – welches übrigens die lateinische Übersetzung von Wanne-Eickel sein soll – fragte Marita in alter Schülermanier: „Wann sind wir da? Kann ich da ´ne Cola und ´ne Pommes kaufen? Und außerdem muss ich alle zwei Stunden aufs Klo!“ Cheffahrer Paul brachte das aber nicht aus der Ruhe. Erst am Biggenkopf wurde Rast gemacht. „Aber nur fünf Minuten, wir machen ja hier keine Vergnügungsfahrt“, wie der Bürgermeister schmunzelnd anmerkte, der noch den überaus klaren Grußton vom Rhader Schützenfest auf den Lippen hatte.

Weiter ging es durch Hessen und Thüringen bis zur zweiten Pause am Autohof in Stadtroda, wo Zeitungsente Dorstinchen auf ganz viele ihrer Artgenossen traf. Nach einem Kaffee ging es weiter. Die Mutter der Kompanie, Stabsfeldwebel Kipinski, hatte gute Tipps für Adam bereit, der sich im Vorfeld ausschließlich um die Unversehrtheit seines Allerwertesten sorgte: „Adam, bevor es schlimm wird: Ich hab Salbe!“ Aber Adams Eva hatte schon im heimischen Paradies (Dorsten) vorgesorgt und die Kulturtasche gepackt.

Um 17 Uhr wurden wir freudig begrüßt von Carmen Fischer, der örtlichen Freundeskreisvorsitzenden. Am Abend leisteten uns weitere Freunde Gesellschaft beim leckeren Abendessen in der Kupferpfanne, darunter Bürgermeister Dieter Greysinger. Es wurde ein launiger Abend mit interessanten Gesprächen über Gott und die Welt. Stockhoffs Amtskollege aus Hainichen hatte dabei noch eine schöne Botschaft für die Schützen der Feldmark und aus Dorf-Hervest im Gepäck: "Gemeinsam mit den befreundeten Schützen aus Hainichen werde ich die Schützenfeste der Feldmark (2020) und in Dorf-Hervest (2021) besuchen."


Tag 2: Mittwoch, 31. Juli 2019

Nach jedem Tal folgt ein Berg



„Es wird heute garantiert nicht regnen!“ so die Aussage von Wetterexpertin Marita Kipinski beim Frühstück. Welchen Wahrheitsgehalt diese Prognose hatte, durften die Radler am Abend schmerzlich erfahren: Es regnete, aber da saß die Wetterfee schon im wasserdichten Transit Tristesse Deluxe.

Um 8.45 Uhr ging es endlich mit den Rädern los von Hainichen in Richtung Ohorn. Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger und Freundeskreisvorsitzende Carmen Fischer wünschten viel Erfolg und verabschiedeten die Gäste aus Dorsten – allerdings nicht ohne „Fresskorb“ mit heimischen Gartenprodukten.

Mit Freude wurde ein 18 %-Gefälle-Schild zur Kenntnis genommen. „Aber, nach jeder Talfahrt folgt ein Anstieg“, so die alte Radlerweisheit. Und sie bewahrheitete sich – jedoch mit 20 %. Völlig ausgepowert wollte man nun den Zug nehmen. Im nächsten Bahnhof Großvoigtsberg suchte man vergebens, denn dort fuhr nicht einmal mehr Christian Anders Zug nach Nirgendwo.

In einer schnuckeligen Bäckerei in Helbigsdorf – in Sachsen gibt es übrigens zwei Helbigsdörfer, wie Bullifahrer Sebastian Herpers schmerzlich erfahren musste – wurde die erste Rast gemacht.

Vorbei an romantischen Güllelagunen, endlosen Feldern und durch wunderschöne Dörfer ging es weiter nach Wilsdruff. In dem Dorf stießen die Radler auf den Abwasserverband mit dem illustren Namen: „Wilde Sau“. Dort kam Elisabeth Schulte-Huxel nach einem Besuch des ebenfalls dort untergebrachten örtlichen Polizeirevieres nicht wieder – War die Zellentür versehentlichen zugefallen? Der Toilettengang endete jedoch glücklich: Zwei nette Bezirksbeamte eskortierten sie aus dem Gebäude. Die Polizei – Dein Freund und Helfer!

Entlang der blauen Donau, von den Dresdenern auch Elbe genannt, konnten die Dorstener das elbflorentinische Panorama genießen. Die anschließende Fahrt mit der Standseilbahn sparte rund 100 Höhenmeter – Franz Josef-Gövert ergänzt an dieser Stelle: „95 m genau!“. Vorher musste die Truppe allerdings zwei Kilometer Kopfsteinpflaster am Elbufer eeeertraaaageeeen.

Um halb sechs erreichten die Radler das Forsthaus Luchsenburg und ließen den Abend gemütlich in der Abgeschiedenheit der Lausitz bei leckeren Radeberger ausklingen.


Tag 3: Donnerstag, 1. August 2019 – Ohorn nach Görlitz – 91 km

Auf und nieder – immer wieder…



Vom Forsthaus Luchsenburg ging es zunächst für die Dorstener durch den Wald über wundervolle Schotterwege – bekannt auch als Marita-Kipinski-Traumstrecken. Plötzlich stellte sich der Gruppe ein Hindernis in Rot-Weiß entgegen. Die Problemlösungen waren dabei geschlechterspezifisch. Während die Herren ihre nicht vorhandenen Muskeln spielen ließen und unter Ächzen und Stöhnen die Räder über den Schlagbaum hievten, bedienten sich die Damen ihres Verstandes und umfuhren die Barriere.

In der landschaftlich wunderschönen Oberlausitz traf man auf zweisprachige Ortsschilder - deutsch und sorbisch. Marita, als pensionierte Fremdsprachenlehrerin, versuchte sich mit Unterstützung von Muttersprachler Adam Juzek an der slawischen Sprache – vergeblich und nicht ohne Mehrfachknoten in der Zunge.

Sebastian Herpers, der heute erstmalig aufs Rad stieg, ging nach den ersten 20 km gleich die Luft aus. Das lag allerdings nicht am fehlenden E-Antrieb bzw. an mangelnder Kondition, sondern an einem Platten am Hinterrad. Wenn Sebastian etwas macht, macht er es gründlich: Der Ersatzschlauch war auch defekt. Wie gut, dass Franz-Josef Gövert, der Bullifahrer des dritten Tages, mit der Gruppe vernetzt war und technische Hilfe leisten konnte.

Nicht erfolgreich war er allerdings beim furchtbar quietschenden Sattel von Maritas Fahrrad. Aber hier hatte der Bürgermeister eine Lösung parat: „Heute Abend schütten wir dir einfach etwas Olivenöl inne Buchse.“ Marita erwiderte: „Aber nur kaltgepresst und Extra Vergine.“

Weiter ging es durch kleine Dörfer nach Zschorna zur berühmten Ernst-Thälmann-Arena mit ihren ganzen 3 Sitzplätzen, was für rund 50 Prozent der Einheimischen ausreichen dürfte. Adam stellte auf den letzten Kilometern nach Görlitz fest, dass der Name „Niederschlesien“ irreführend sei: „Für ‚Nieder‘ gibt es hier aber verdammt hohe Berge.“

Den Tag ließ die Gruppe in der urigen Dorfkneipe „Gerichtskretscham“ bei Bier und leckerstem Essen ausklingen. Warum Herr Michelin hier noch nicht zu Gast war, ist für die Dorstener Radler ein großes Rätsel.


Tag 4: Freitag, 2. August 2019 – Görlitz (D) nach Bolkow (PL) – 122 km

Straßen wie Baumkuchen



Von unserem wunderschönen Hotel „Dein Gutshof“ in einem kleinen Dorf vor Görlitz ging es durch die Altstadt über die Neiße-Brücke in den polnischen Teil der Stadt. „Das ist gelebtes Europa“, bemerkte Marita Kipinski tief bewegt.

Weiter ging es über furchtbare Schotterstrecken der Kategorie „Marita Spezial“. Hier gab es auch das erste Opfer in der Gruppe zu beklagen. Das vordere Schutzblech von Paul Schulte-Huxels Rad verabschiedete sich mit einem lauten Knall. In Polen gibt es übrigens nicht nur schlechte Schotterwege, sondern auch asphaltierte Straßen, die mehr Schichten als ein Baumkuchen aufweisen. Die Schlaglöcher waren dabei so tief, dass sich die Gruppe auf Adam Juzeks Grubenwehrerfahrung verlassen musste.

Nach den ersten 30 km folgten dann allerding wunderschöne Strecken durch Niederschlesien mit traumhaften Ausblicken auf hügelige Landschaften und romantische Flüsse.

Die Olivenölbehandlung von Maritas Sattel führte übrigens nicht zum gewünschten Erfolg. Hier schlug der Bürgermeister vor, es am Abend mal mit Sonnenblumenöl zu versuchen.

Nach einer Zwischenstation im schönen Städtchen Löwenberg in Schlesien (Lwówek Śląski) wurde aus der Gruppe eine reine Männergesellschaft, denn Maritas Akku war leer und damit ihre Nase voll. Ihr gutes Näschen bewahrte sie allerdings vor einem streckenmäßigen Desaster, dem der Bürgermeister zum Opfer fiel. Nach einem heftigen Anstieg mit 200 Höhenmetern auf einem tief ausgefahrenen Feldweg folgte eine abenteuerliche Abfahrt, die Tobias zum Fliegen animierte. Der kunstvolle Abstieg vom Rad führte zum Glück nur zu ein paar Schrammen: „So leicht lässt der sich nicht stürzen“, spottete Marita.

Vollkommen fertig und nach 122 km sowie über 1200 Höhenmetern kamen unsere fünf Radler im polnischen Bolkow an der Unterkunft „Villa Elizabet“ an. Am Abend gab es dann mit Żurek (saure Mehlsuppe) sowie Pierogi (eine Art Maultauschen) und viel Piwo (Bier) ein echtes polnisches Nachtmahl. Später übten sich alle in lautem Schnarchen, was man bis in die Heimat gehört haben dürfte.


Tag 5: Samstag, 03.08.2019 – Bolkow (PL) bis Javornik (CZ) – 119 km

Traumstrecken



Nach einem guten polnischen Frühstück machten sich die Radler auf den 119 km langen Weg von Bolkow (PL) nach Jarvornik (CZ). Kurz vor Freiburg in Schlesien (Świebodzice) zog ein Gewitter auf. Die Dorstener suchten Schutz auf dem dortigen internationalen Verkehrsflughafen und bekamen dazu außerdem typisch polnischen Kaffee mit echtem Prütt.

Marita Kipinski, im zweiten Beruf „diplomierte und habilitierte Kaffeesatzleserin“ – international bekannt als Professorin Prütt – las der Gruppe nicht nur die Leviten, sondern auch aus dem Kaffeesatz: „Ich sehe viel Schotter – aber leider nur auf euren Wegen – und jede Menge gute Laune.“

Bei der idyllischen Mittagspause auf dem Netto-Parkplatz in Peterswaldau (Pieszyce) erwartete Bullifahrer Adam Juzek die unterzuckerten Radfahrer bereits mit polnischen Pflaumenpralinen. Ein Teilnehmer merkte an: „Nimm von den Pralinen mal lieber zwei, dann klappt es morgen auch mit der Verdauung besser. Denn wenn es mit der nicht mehr klappt, ist der Rest auch egal.“

Bei der Weiterfahrt meuterte die Gruppe plötzlich. Der Bürgermeister wollte unbedingt der Rumpelpiste laut Navi folgen und nicht die von ihm selbst erwähnte Alternativroute über eine asphaltierte Straße nutzen. Am Ende siegte die demokratische Mehrheit – Kielgeholt wurde niemand.

Weiter ging es über Traumwege und durch eine herrliche Mittelgebirgslandschaft. An dieser Stelle sendet die Gruppe einen herzlichen Gruß und ein großes Dankeschön an Quartiermeisterin Anke Borg sowie Chefnavigator Joachim Deutmann in Dorsten.

Auf den letzten Kilometern kamen die Radler an ausgedehnten Hopfenfeldern vorbei. Biolehrer Sebastian Herpers dozierte über weibliche Phytohormone im Bier, was die Gruppe allerdings deutlich weniger interessierte als die Aussicht auf ein kühles tschechisches Pivo (Bier) am Abend im Hotel in Javornik. Mindestens ebenso geistreich waren später die Unterhaltungen bei Becherovka und Kirschlikör.


Tag 6: Sonntag, 04.08.2019 – Javornik (CZ) bis Komorno (PL) – 110 km

Krokodile und Tiger



Gestärkt vom Frühstück und gut geschmiert vom vorabendlichen Becherovka ging es um 08:30 Uhr auf die vorletzte Etappe von Jarvornik (CZ) nach Komorno (PL). Dass die Gruppe die Staatsgrenze zwischen Tschechien und Polen überquert hatte, machten die Radler allerdings nicht an Schlagbäumen oder Hinweisschildern fest. Adam Juzek erläuterte: „Das könnt ihr hören! In jedem Dorf läuten heute die Glocken zum Gottesdienst. Und alle gehen hin. Wir auch!“

Die erste Station machten die Radfahrer deshalb nach rund 35 km in Neisse (Nysa). Franz-Josef Gövert und der Bürgermeister nutzten die Gelegenheit, einen Gottesdienst in der Basilika zu besuchen. Auch wenn die beiden von der Predigt nichts verstanden haben, galt hier wohl der olympische Gedanke: „Dabeisein ist alles!“

Gegen 13 Uhr stieg man wieder aufs Rad. Allerdings vereitelte ein kurzer aber heftiger Schauer die Absichten der Rybnikradler. Franz-Josef stellte fest: „Adam, an dem Regen habe ich keine Schuld. Ich war schließlich in der Kirche. Den hast wohl du zu verantworten.“ Adam hatte jedoch einen aufmunternden Spruch für die Gruppe parat: „Hauptsache, es schneit nicht, oder?“

Nach weiteren 30 km war Marita Kipinski am Ende ihrer Kräfte, so dass sie sich an der Bushaltestelle sogar schon mit Dorstinchen unterhielt und einen Bus herbeisehnte. Vergeblich, er kam nicht. Und auch die gute Stiftsquelle schaffte keine Besserung. Marita stieg deshalb bei nächster Gelegenheit von ihrem Drahtesel auf vier Räder um.

Der Rest der Truppe kämpfte sich entlang von Hauptstraßen und über Marita-Spezial-Deluxe-Premium-Strecken bis zum Hotel. Schotter in allen möglichen Korngrößen, rutschiger Sand, Krokodile und Tiger – andere behaupten, es wären „nur“ Eidechsen und Katzen gewesen – zeichneten ihren Weg.

Das Hotel zauberte den Radlern ein „Wow“ auf die Lippen. Die Küche hielt, was der erste Eindruck versprach. Dumm nur, dass die Küche schon um 20.30 Uhr geschlossen wurde, sodass ein mitfahrender Hauptverwaltungsbeamter auf seinen obligatorischen Nachtisch verzichten musste. Ob sich dieser Verzicht auf seine Laune bei der letzten Etappe auswirken wird???


Tag 7: Montag, 5. August 2019 – Komorno (PL) bis Rybnik (PL) – 80 km

Dorstener kommen vor Tour de Pologne in Rybnik an



Nach dem Fototermin auf der Freitreppe unseres wunderschönen Hotels in Komorno ging es, mit viel Kawa (Kaffee) oder Czarna Herbata (Schwarzer Tee) im Blut, auf die letzte Etappe nach Rybnik. Die Gruppe wurde dabei von Alicja Sierny vom Verein Rybnik/Europa begleitet.

Auf dem Marktplatz in Cosel (Koźle) kamen bei den Dorstenern Heimatgefühle auf. Adam Juzek wollte sofort die “Schüppe“ in die Hand nehmen, als er die riesige Baustelle auf dem Markplatz sah.

Anstatt der Schaufel hätte Adam lieber Fahrradwerkzeug zur Hand nehmen sollen, denn die Stummschaltung von Marita Kipinskis Sattel durch diverse Öle – von Olivenöl bis zu 5W40-Hochleistungsöl – war fehlgeschlagen. Der Bürgermeister munterte die sichtlich genervte Gruppe auf und sagte: „Mensch, das muss man doch positiv sehen. Das ist wie ‘ne Kuhglocke. Die verklüngeln wir schon mal nicht.“

Konditionsprobleme hatte die Gruppe dank ein paar Extrawatt nicht. Allerdings führte der nachhetzende, zähnefletschende Rottweiler – im Gewand eines schwanzwedelnden Jack Russels – zu ungeahnten Geschwindigkeitsrekorden.

Die größte Herausforderung des Tages erlebten Dorstinchen und die Radler in Rudnik (Grzegorzowice). Die in den letzten Kriegsmonaten gesprengte Oderbrücke war nicht zu benutzen. Die Hoffnung ruhte auf der Fähre am gegenüberliegenden Ufer. Leider fruchteten alle „Fährmann hol über!“- Rufe nicht. Der rostige Kahn war nämlich wegen Niedrigwasser auf Grund gelaufen.  Schnell entwickelte Navigator Tobias Stockhoff eine Alternativroute über die nächste Brücke in Ratibor (Racibórz). Der Gruppe verschwieg er dezent die 10 Extrakilometer. Er wusste, warum…

Um Punkt 14 Uhr trafen die Radler mit Klingeln und Winken am Rondo Dorsten (Kreisverkehr) in der Partnerstadt Rybnik ein. Sie wurden dort von Stadtpräsident Piotr Kuczera und einer riesigen Medienmeute empfangen. Übrigens trafen die Dorstener Helden über drei Stunden vor der Spitzengruppe der Tour de Pologne ein. Beim Mitradeln hatten sie sich schon früh, wegen der deutlich zu geringen Durchschnittsgeschwindigkeit des Hauptfeldes, von der Tour abgesetzt.


Tag 8: Dienstag, 6. August 2019 – In und um Rybnik – 38 km

Tiere und Technik



Nach einem geselligen Abend mit den polnischen Freunden stand am Dienstagmorgen zunächst Ausschlafen auf dem Programm. Um 10 Uhr wurden die Dorstener Radler dann von einer Gruppe aus Rybnik, mit dem stellvertretenden Stadtpräsidenten Piotr Maslowski an der Spitze, zu einer Radtour rund um Rybnik abgeholt.

Während man in Dorsten noch rätselt, wo die Nutrias vom Barkenbergsee geblieben sind, haben die Radfahrer die Antwort: Die Barkenberger Nutrias sind zu Besuch bei den polnischen Verwandten in Dorstens Partnerstadt. Biolehrer Sebastian Herpers zeigte beim Anlocken der biberähnlichen Nager herausragende Kenntnisse in Tierpsychologie. Vielleicht waren es auch einfach nur niedere Beweggründe und das Brot lockte die Tiere an?

Vor der St. Antonius-Kathedrale machte Sebastian der Gruppe deutlich, dass er nicht nur Biolehrer ist. Der Sportpädagoge durchradelte todesmutig und gekonnt die Wasserspiele auf dem Platz vor der Kirche. Außer Angstschweiß auf seiner Stirn bekam er keinen Tropfen Wasser ab.

Weiter ging es über wunderschöne Waldwege zum Rybniker Stausee. Dort guckte Dorstinchen neidisch auf die heimischen Enten. Besonders die angenehmen Wassertemperaturen reizten die Zeitungsente, dient der See doch als Kühlwasserspeicher für eines der größten Kohlekraftwerke Polens. Aus klimapolitischen Gründen wollte Dorstinchen dann aber doch lieber CO2-neutral weiterradeln.

Ein absoluter Höhepunkt war die anschließende Fahrt mit einer Schmalspurbahn – ohne jedes Feinstaubproblem. In der Holzklasse mit Fahrradabteil – zwischen den Beinen der Passagiere – ging es durch den Wald zum alten Bahnhof nach Groß Rauden (Rudy). Paul Schulte-Huxel machte sich als Landschaftsgärtner nützlich und zupfte Unkraut auf dem Bahnsteig. Seine Frau Elisabeth nutzte die Situation allerdings schamlos aus: „Paul, das musst du hier nicht machen. Das mach mal lieber bei uns ab Donnerstag im Garten.“

Mit einem herzlichen „Glück auf!“ ging es zur ehemaligen Grube Hoym bzw. Ignacy. Nach über 100 Stufen und 60 m Höhe wurden die Radfahrer mit einem Blick über Rybnik belohnt. Zumindest die, die keine Höhenangst hatten. Dorstinchen und Zeitungsentenmutter Marita Kipinski blieben auf dem Boden der Tatsachen.