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Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Die Stadt Dorsten muss das Rathaus am Gemeindedreieck (Baujahr 1956, steht seit 2017 unter Denkmalschutz) sanieren. Bei der Suche nach der richtigen Lösung hat die von uns beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young Real Estate GmbH aus Düsseldorf vorgeschlagen, die bisher angemieteten Büros durch einen Anbau zu ersetzen, weil es vorteilhafter ist, selbst zu investieren als dauerhaft anzumieten. 

Ich möchte Ihnen das Vorhaben hier genauer erläutern – insbesondere, weil es eine öffentliche Diskussion über den Neubau des Kreishauses in Recklinghausen gibt und dabei Parallelen zur Planung in Dorsten gezogen werden können, die nicht richtig sind.

Über welches Gebäude reden wir?

Das Rathaus in Dorsten wurde 1956 gebaut und muss insbesondere aus Gründen der Sicherheit und des Brandschutzes dringend saniert werden. Der Erhalt des Gebäudes steht dabei nicht zur Diskussion: Seit 2017 steht unser Rathaus als Beispiel der Baukunst jener Zeit unter Denkmalschutz.

Vor welcher Herausforderung steht die Stadt Dorsten?

Kaum ein anderes öffentliches Gebäude in Dorsten ist in einem schlechteren Zustand als das Rathaus am Gemeindedreieck. In Zeiten knapper Kassen haben wir nur das Nötigste in unsere Gebäude investiert. Nun ist allerdings ein Punkt erreicht, an dem wir eine Sanierung zwingend durchführen müssen – auch um eine Gefährdung der Besucherinnen und Besucher sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuschließen. Die auslösende Einzelmaßnahme ist dabei die Ertüchtigung der Geschossdecken – eine Forderung für eine dauerhafte Tragfähigkeit und des Brandschutzes. Das Rathaus stand deshalb bereits kurz vor der Schließung.

Einige Fotos mögen Ihnen den Zustand verdeutlichen:

Zustand

Die Stadt hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young Real Estate GmbH beauftragt, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und zu bewerten. Im Ergebnis kommt das Unternehmen zu dem Schluss, dass eine Sanierung wirtschaftlich möglich und vertretbar ist. Wir bemühen uns darum, die Kosten gering zu halten. Für eine Erneuerung in mittlerem Standard haben die Berater Kosten von etwas weniger als 1500 Euro pro Quadratmeter Brutto-Geschossfläche (BGF) ermittelt. Zum Vergleich: Der Kreis hat für die Sanierung des Kreishauses fast 2600 Euro je Quadratmeter BGF angesetzt – bei einem Gebäude, das mit 38 Jahren deutlich jünger ist und nicht unter Denkmalschutz steht.

Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, dass es um eine unabweisbar notwendige Sanierung geht.

Warum wird in Dorsten über einen Anbau gesprochen?

Von den rund 500 Büro-Arbeitsplätzen der Stadtverwaltung am Gemeindedreieck sind nur 175 im Rathaus untergebracht, mit 325 die weit größere Zahl allerdings im Gebäude Bismarckstraße 1-19 (so genannter „Rundbau“ am Gemeindedreieck) und im Haus Halterner Straße 28. Diese Gebäude sind seit Jahren angemietet.

Jeder weiß, dass eine Mietzahlung immer auch eine Rendite für den Vermieter beinhaltet. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat darum vorgeschlagen, Eigentum zu schaffen statt weiterhin Miete zu zahlen. Sie kennen das sicherlich aus eigenem Erleben oder aus der Familie: Jeder stellt sich irgendwann die Frage, ob es auf Dauer nicht günstiger ist, ein Haus zu bauen oder zu kaufen.

Wie wirkt sich ein Anbau wirtschaftlich aus?

Wir haben diese Möglichkeit solide durchkalkulieren lassen. Das Ergebnis: Ein Anbau kann aus den Mitteln bezahlt werden, die wir jetzt ohnehin für Mietzahlungen aufwenden müssen. Zugleich kann die Stadt sich mit Eigentum gegen künftige Mieterhöhungen wappnen. Dadurch werden in künftigen Jahren Ressourcen frei, die für andere öffentliche Aufgaben zur Verfügung stehen.

Da sich der Rathausanbau durch die ersparte Miete refinanziert, werden wir keine Schulsanierung und keinen Bau eines Kindergartens verschieben oder streichen. Es gibt bereits ein festes Investitionsprogramm für Schulsanierungen bis 2022. Danach wird es weitergehen; wir warten derzeit auf die Ergebnisse der Bauzustandserhebungen, die der Rat letztes Jahr in Auftrag gegeben hat. Anschließend wird sich der Rat damit befassen, welche Sanierungsmaßnahmen nach 2022 beginnen. Wir können – selbst wenn wir wollten – nicht mehr investieren, weil die Bauwirtschaft nicht in der Lage ist, noch mehr Aufträge anzunehmen. 

Auch der Anbau erhält, wie der Altbau nach Sanierung – einen mittleren Standard für Bürogebäude. Wir wollen keinen Luxus, benötigen allerdings vernünftige und angemessene Arbeitsplätze für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit sie ihren Aufgaben für unsere Stadtgesellschaft nachkommen können, ohne sich täglich ärgern zu müssen über improvisierte Kabelschächte, bis auf den Faden abgewetzte Bodenbeläge oder Risse in den Wänden.

Nach 25 Jahren soll der Anbau abbezahlt sein. Dann entfallen die Finanzierungskosten.

Der Kreis will ein neues Kreishaus bauen – was stört Dorsten (und andere Städte) daran?

Der Kreis betrachtet seinen erst 38 Jahre alten Verwaltungssitz (Bezug 1980) als derart „verbraucht“, dass ein Neubau an anderer Stelle günstiger sein soll als eine Sanierung. Wer schon einmal im Kreishaus gewesen ist, wird diese Einschätzung kaum teilen können, aber vor allem den deutlichen Unterschied zwischen dem Dorstener Rathaus und dem Kreishaus sehen.

Die meisten Bürgermeister im Kreis bezweifeln deshalb die Rechnung des Kreises. Das Problem dabei: Der Kreis Recklinghausen hat praktisch keine eigenen Einnahmen – und finanziert sich darum durch eine Umlage, die von den zehn Städten zu zahlen ist. Grob gesagt: Von zehn Euro, die der Kreis ausgibt, kommt einer aus Dorsten.

In Zeiten der Haushaltssanierung wurde ausführlich darüber diskutiert, dass Umlageverbände wie der Kreis ihre Kosten nicht einfach an notleidende Städte weiterreichen dürfen, ohne sich selbst deren Sparzwängen zu verpflichten

Dorsten hat darum ein großes Interesse daran, dass der Kreis sparsam und klug wirtschaftet. Denn davon profitieren auch die Städte.



Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Erläuterungen deutlich machen, vor welchen Herausforderungen wir mit der Rathaussanierung stehen. Ich darf versichern, dass wir diese Aufgabe mit großem Kostenbewusstsein angehen und keinesfalls Luxus schaffen werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 
Tobias Stockhoff
Bürgermeister