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Aktuelles Dorsten


Vereinmitglieder
06.09.2018
NRW-Ministerin Ina Scharrenbach und Stiftungskuratorium überzeugten sich auf der Zeche Fürst Leopold in Dorsten von der Arbeit der Stiftung Industriedenkmalpflege vor Ort

Alljährlich besuchen Mitglieder des Kuratoriums, des Vorstands und der Geschäftsführung der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ausgewählte, stiftungseigene Standorte, um sich ein Bild von der Arbeit und den Projekten vor Ort zu machen. Unter der Leitung der Kuratoriumsvorsitzenden Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, führte die Reise in der letzten Woche zu Stiftungsstandorten in Bottrop, Dorsten, Herten und Dortmund. Oberbürgermeister und Bürgermeister der jeweiligen Kommunen, Vertreter von Fördervereinen, Initiativen und Integrationsprojekten, der regionalen Wirtschaft, private Investoren und Kulturschaffende bereiteten der Ministerin und den Gremienmitgliedern einen würdigen Empfang. Ina Scharrenbach informierte sich über kommunales, bürgerschaftliches und wirtschaftliches Engagement an den Standorten.

Vereinmitglieder

Ministerin Ina Scharrenbach, Gremienmitglieder der Industriedenkmalstiftung und des Vereins für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte e.V., Bürgermeister Stockhoff und Investor Jürgen Tempelmann. Foto: Markus Bollen

In Dorsten wurde der hohe Besuch auf der Platanenallee der ehemaligen Zeche Fürst Leopold von Bürgermeister Tobias Stockhoff, Gerhard Schute vom Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte e.V., sowie dem Geschäftsführer vom Creativquartier Fürst Leopold und der Prisma GmbH & Co KG, Jürgen Tempelmann begrüßt.

Ursula Mehrfeld erläuterte die Rolle der Stiftung Industriedenkmalpflege an diesem Standort, die darin bestand, die nicht wirtschaftlich nutzbaren Bestandteile der Anlage, das Maschinenhaus und das Fördergerüst, zu erhalten und dem Verein als Wirkungsstätte zur Verfügung zu stellen.

Große Bereiche der historischen Zechenanlage sind bereits umgenutzt. Der Privatinvestor Tempelmann hatte 140.000 Quadratmeter Fläche von der RAG Montan Immobilien erworben und ein neues Quartier geschaffen. „70 Firmen, große und kleine, haben sich hier angesiedelt, 350 Arbeitsplätze wurden geschaffen“, berichtet Tempelmann. Ein Hotel in der Lohnhalle ist in Planung.  Der Anfang sei nicht leicht gewesen, erinnert sich der Privatinvestor. „Jetzt stehen die Leute Schlange, aber ich habe keine Fläche mehr.“

Gastronomie, Kultur und Start-ups, meist aus der IT-Branche, betten das Denkmalensemble Fördergerüst über Schacht 2 und das Maschinenhaus ein. Beeindruckt war die Ministerin vom Leopold-Regal, das - wie in einem riesigen Setzkasten - sorgfältig ausgewählte Erinnerungsstücke präsentiert und auf einem Display spannende Geschichte(n) zu den Objekten bereithält. Kuratoriumsmitglied Professor Ulrich Borsdorf, Gründungsdirektor des Ruhrmuseums, hatte dem Verein bei der Realisation des Projekts beratend zur Seite gestanden. Im Beisein der Ministerin attestierte er dem Verein „Vorzeigestatus und Einmaligkeit im geschichts- und sozialhistorischen Engagement“.

Gerhard Schute erinnerte daran, dass der Verein, der bereits 2003 von Bürgern gegründet wurde und heute rund 350 Mitglieder zählt, sich aktiv für die Belebung des Maschinenhauses und die Pflege der Maschinen einsetzt. Heute führt der Verein Führungen durch und arbeitet eng mit Grundschulen zusammen. Auf dem Stundenplan stehen dann der Besuch eines Bergmanns in der Klasse sowie Führungen durch die ehemalige Kolonie und über das Denkmal. Und: Nachwuchssorgen hat der Verein nicht, so Schute.

Auch Bürgermeister Stockhoff ist voll des Lobes. Die Entwicklung, die das Areal des ehemaligen Bergwerks genommen habe, sei nicht selbstverständlich, weiß er. Das gute Zusammenspiel zahlreicher Beteiligter habe zum Erfolg geführt. Die gemeinsame Vermarktung der Stadt Dorsten mit historischer City, Bergbau-Industrie und einem Hauch Münsterland im Norden sei zuerst ein Volumen gewesen, das „schlucken ließ“. Heute aber sei man nicht enttäuscht. „Wir sind stolz auf diesen Vorzeige-Verein“, bezeugt er mit Blick auf Gerhard Schute und lobt das ehrenamtliche Engagement. Das historische Ensemble spiele in der Vermarktung eine entscheidende Rolle; das zeige sich auch darin, dass die Maschinenhalle als Außenstelle des Standesamts der beliebteste Standort geworden sei.

Scharrenbach betonte, die Denkmale der Stiftung an den Standorten der Zeche Prosper II in Bottrop, der Zeche Schlägel & Eisen in Herten, Zeche Fürst Leopold in Dorsten oder auch die Kokerei Hansa in Dortmund seien prägend für Menschen, Städte und Gemeinden und untrennbar mit dem historischen Erbe der Region und der Bundesrepublik Deutschland verknüpft. Es sei wichtig und es müsse gelingen, die Denkmale durch Nutzung erlebbar zu machen. Sie forderte die Bürger zum Mitgestalten auf.

 

Hintergrund:

Die Stiftung wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet, um hochrangige Zeugnisse des Industriezeitalters vor dem Abriss zu bewahren. Die Aufgaben der Stiftung bestehen darin, die ihr übertragenen Denkmale zu schützen und zu erhalten, wissenschaftlich zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und sie einer denkmalgerechten Nutzung zuzuführen. Mittlerweile zählen Industriedenkmale an 14 Standorten in NRW zum Bestand. Es sind Relikte von Anlagen des Steinkohlenbergbaus, wie z.B. Fördergerüste, Schachthallen und Maschinenhäuser, des Weiteren eine Kokerei als Beleg der Verbundwirtschaft im Ruhrgebiet, ein Denkmal der Energiewirtschaft in Gestalt eines historischen Pumpspeicherkraftwerks und ein Osemund-Hammerwerk als technikgeschichtliches Zeugnis.