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24.04.2015
Gedenkfeier für Bürger der Insel Guernsey

Logo Aktuelles im AprilDrei Menschen starben während des zweiten Weltkriegs in einem Deportierten-Lager nahe der Dorstener Schleuse

Bürgermeister Tobias Stockhoff und Mitglieder des Freundeskreises Crawley gedachten am Donnerstag auf dem Friedhof St. Agatha eines der vielen düsteren Kapitel des zweiten Weltkriegs, in dem auch die Lippestadt Schauplatz war. Sie legten Blumen nieder auf den Gräbern von drei Bürgern der britischen Insel Guernsey, die in Dorsten gestorben und bestattet sind: Ein Mann, eine junge Frau und ein Baby.

Der historische Hintergrund: Zwischen 1942 und 1943 wurden etwa 2000 Menschen von den Inseln Guernsey, Jersey und Sark nach Deutschland deportiert. Die Wehrmacht hatte die Inseln besetzt, wollte den Widerstand der Menschen dort brechen.

Einige Deportierte waren im Herbst 1942 vorübergehend untergebracht in einem Barackenlager am Hammer Weg nahe der Dorstener Kanal-Schleuse. Darunter war auch Tom Remfrey, heute 81 Jahre alt, damals ein zehnjähriger Junge, mit seinen Eltern und drei Geschwistern. Die Deportierten wurden im November 1942 in ein großes Lager in Biberach bei Ulm verbracht.

2006 landete ein Anruf von Remfrey bei Anne und Klaus Dietrich in Holsterhausen. Eigentlich wollte er Ken Clement von der Town Twinning Association Crawley sprechen, der gerade hier zu Besuch war. So bekam die Verbindung zwischen Dorsten und Guernsey auf dem Umweg über Dorstens englische Partnerstadt Gesichter auf beiden Seiten. Familie Dietrich kam der Bitte von Remfrey nach, die Gräber in Dorsten zu pflegen.

Am Donnerstag hatte die Familie Dietrich auch Bürgermeister Tobias Stockhoff und weitere Mitglieder des Freundeskreises Crawley zu einer stillen Gedenkfeier eingeladen, denn an diesem Tag vor 70 Jahren (23. April 1945) wurde das große Lager in Biberach von französischen Truppen befreit. Tom Remfrey, heute Vorsitzender der Vereinigung der Guernsey-Deportierten, nahm dort an einer Gedenkfeier teil.

Dieses Kapitel der Stadtgeschichte wach zu halten, sieht Bürgermeister Stockhoff in einer Reihe mit der großen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Bombardierung Dorstens vor wenigen Wochen. „Das Motto ,Erinnern für die Zukunft‘ gilt auch hier für uns Nachgeborene.“

Einladungen nach Dorsten hat Tom Remfrey übrigens stets abgelehnt. Zu tief sitzen die Erinnerungen an das Lager hier. Es war kalt und von Ungeziefer befallen, es gab zu wenig und schlechtes Essen, von einem Chemiewerk trieben dunkle und stinkende Wolken über die Hütten.