Zur Navigation springenZum Content springen
 

Pressearchiv


13.05.2015
Freitag, der 13. Mai, brachte der Lippefähre Baldur Glück

Bild von der LippefaehreErste Fähre der neuen Generation feiert heute ihr zehnjähriges „Dienstjubiläum“

Dorsten. Die Lippefähre Baldur in Dorsten-Holsterhausen kann heute ihr 10jähriges „Dienstjubiläum“ feiern. Am 13. Mai 2005 wurde das in der Lehrwerkstatt der Schachtanlage Auguste-Victoria gebaute kleine Schiff auf der Lippe feierlich eingeweiht.

Seit zehn Jahren betreibt die Betriebsmannschaft des LIPPEVERBANDES vom nahe gelegenen Bauhof Dorsten aus die Fähre. Alljährlich um Ostern wird Baldur eingesetzt und Ende Oktober vor dem Beginn der „Hochwasser-Saison“ wieder aus dem Wasser geholt. Auch bei Hochwasser im Sommer wird der Fährbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt.

„Baldur“ war die erste der neuen, kostenlosen Selbstbedienungsfähren, die Fußgängern und Radfahrern eine Querung der Lippe ermöglichen. Schon nach kurzer Zeit kam der „Quertreiber“ in Wesel dazu, 2013 hat der LIPPEVERBAND die Lippefähre „LUPIA“ in Hamm in Betrieb genommen. Derzeit laufen die Vorarbeiten für eine weitere Fähre in Haltern-Flaesheim.

„In Dorsten ist die Fähre bei den Bürgern, vor allem bei den Naherholungssuchenden, Fahrradfahrern und Spaziergängern, sehr beliebt und in den letzten Jahren zu einem Wahrzeichen von Dorsten geworden“, weiß Christof Illigen, Betriebsmanager des LIPPEVERBANDES für die westliche Lippe und damals auch Projektleiter für die erste Lippefähre.

Illigen kann sich noch gut an Entstehung, Umsetzung und viele Ereignisse rund um die Fähre „Baldur“ erinnern: „Entstanden ist die Idee für eine Lippefähre in Dorsten bei der Einweihung unserer erweiterten Kläranlage Dorsten im Juni 2001. Der damalige Bürgermeister Lambert Lütkenhorst erinnerte bei dieser Gelegenheit an eine alte Fähre über die Lippe, die in unmittelbarer Nähe zur Kläranlage Dorsten bis in die 1940er Jahre vor allem Bergleute auf ihrem Weg zum Bergwerk Baldur über die Lippe fuhr, aber auch von vielen Bürgern und Ausflüglern genutzt wurde“. Von diesem Bergwerk hat die heutige „Baldur“ ihren Namen. Illigen: „Damit gab der Bürgermeister die Anregung für eine aktuelle Freizeitfähre. Von unserem Vorstandsvorsitzenden Dr. Stemplewski wurde die Idee aufgegriffen mit dem Plan, eine neue Fährverbindung über die Lippe entstehen zu lassen. Es wurde überlegt und geprüft, wo genau eine solche Fähre eingerichtet werden kann und vor allem, wie sie realisierbar und sicher zu betreiben ist.“

Vorbild an der Nordseeküste

Man musste sich also in das Fachgebiet Fähren- und Schiffstechnik einarbeiten. Es sollte eine Technik zur Ausführung kommen, mit der die Benutzer selbständig und ohne fremde Hilfe die Fähre bewegen können. Nach Besichtigung mehrerer anderer Personenfähren und Rücksprache mit verschiedenen Fährbetreibern wurde schließlich das Antriebsprinzip einer Fähre übernommen, die in der Nähe der Stadt Norden an der Wattenmeerküste Fußgänger und Radfahrer über das so genannte Norder Tief transportiert. Unterstützt wurde Christof Illigen bei seinen Recherchen und Vorarbeiten von Walter Schulte, dem früheren Vorsitzenden des Dorstener Heimatvereins. Nach ihm wurde später der Zuweg zur nördlichen Anlegestelle benannt.

Die Umsetzung wurde zum Gemeinschaftsprojekt von Bergbau und LIPPEVERBAND. So waren die Auszubildenden des Bergwerks Auguste Victoria in Marl verantwortlich für die Antriebstechnik, also die Kurbeltechnik auf der Fähre und an den beiden Anlegestellen. Von Auszubildenden des LIPPEVERBANDES wurde eine „Slipanlage“ auf einem ausrangierten Anhänger konstruiert, mit der die Fähre ins Wasser gehoben wird bzw. an Land gezogen werden kann.

Am 13. Mai 2005 – ausgerechnet einem Freitag, dem 13. - war es dann soweit: Dorstens damaliger Bürgermeister Lütkenhorst, der Vorstandsvorsitzende des LIPPEVERBANDES, Dr. Stemplewski, und DSK-Chef Tönjes weihten die Fähre mit einer gemeinsamen „Jungfernfahrt“ ein. Viele der zahlreichen Gäste können sich sicher noch erinnern, wie der anwesende Bergmanns-Chor dazu das Steigerlied angestimmt hat.

Ein Kriminalfall: Antriebskette lockt Metalldiebe

In den folgenden Jahren gab es vor allem in der Anfangszeit immer wieder Vandalismus, was nach der Installation von zwei Kameras glücklicherweise stark nachließ. Besonders spektakulär war ein „Kriminalfall“ vor einigen Jahren: Metalldiebe hatten die Antriebskette der Fähre gestohlen, wurden aber dabei durch die installierten Überwachungskameras beobachtet. Mit Hilfe der Kameraaufnahmen konnte dann die eingeschaltete Polizei die Diebe ermitteln.

Aber auch Kurioses hat die Baldur in den zehn Jahren erlebt. „Kurz nach Inbetriebnahme haben wir beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass die Kühe der angrenzenden Weide die auf der Landseite angebrachten Rettungsringe angeknabbert haben“, so Betriebsmanager Illigen. Mittlerweile ist der Abstand zum Weidezaun vergrößert worden, damit war das Problem gelöst“. Ein Vorschlag aus der Dorstener Bürgerschaft, dass vom Standesamt Dorsten auf der Fähre Baldur auch Trauungen durchgeführt werden, ließ sich leider nicht realisieren.

Viele Dorstener schätzen es vor allem im Sommer, von der Fähre aus den Sonnenuntergang über der Lippe zu beobachten. Auch als Bestandteil der „Römer-Lippe-Route“ ist die Fähre ein interessanter Ort, um ein Wassererlebnis der besonderen Art genießen zu können.

Fazit: Die Fähre „Baldur“ hat sich über Dorsten hinaus zu einem bekannten Ausflugsziel entwickelt.